Und täglich grüßt die Rabenmutter – Blogparade

Dieser Artikel wurde erstellt im Rahmen der Blogparade von Marianne Rott: „Und täglich grüßt die Rabenmutter.“

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„Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr?!“

Stimmt das? Sieht so die Realität aus. Ich sage nein. Oder ein „Es kommt darauf an“. Wir bekommen die Babys und müssen neben dem Babyblues mit Allerlei zurechtkommen. Den Alltag mehr oder weniger wuppen, um dann auch noch unter ständiger äußerer Beobachtung zu stehen. Jeder will mitreden. Ob Oma (Ich weiß, was am besten fürs Kind ist, du kennst dich doch nicht aus!), Mutter (Lass mal, ich zeig` dir wie das geht!) oder die Nachbarin (Oh Gott, das arme Kleine, das kann man doch nicht machen!).

Und natürlich macht man es dann so, wie die anderen es wollen? Wirklich? Warum das denn?

  • Damit keine Gewissensbisse erst entstehen?
  • Um niemanden zu provozieren, der meint, er hätte ein Mitspracherecht?
  • Um Normenkonform im Alltag mitzuschwimmen?
  • Oder um nicht erst eine Rabenmutteridee aufkeimen zu lassen?

Schlechtes Gewissen contra (moderner) autonomer Erziehung, die sich für einen irgendwie stimmiger anfühlt? Ein ständiger innerer Kampf, wie mache ich es richtig? Oder lieber nach außen hin perfekt funktionieren, wenn es denn auch innen komplett anders aussieht?

Hier mal ein kleines Beispiel, das wohl jeder mit kleinem „gehfähigen“ Kind schon mal so oder so ähnlich erlebt haben muss:

Frau geht einkaufen. Nicht der übliche Bäcker-Metzger-Schnelleinkauf. Nein, man muss mit dem kleinen Kind, dem Handtaschen-Wickelrucksack-Dingens und dem Einkaufswagen für mindestens 40 Minuten im großen Einkaufsmarkt den 2- Wochen-Nachschub holen. Ein Wechselbad der Gefühle beginnt.  

Zumeist gibt es schon einen Kampf, das Kleine überhaupt ordentlich in den am Einkaufswagen angeschweißten Sitz reinzupfriemeln. Gestresst schiebt man den Wagen durch die Endlosgänge und hofft:

  1. Dass das Kleine so lange wie möglich ruhig bleibt.
  2. Man alles ganz schnell findet, was man braucht.
  3. Das Kleine nicht gleich auf Toilette muss.
  4. Es keine Endlosschlagen an der Kasse gibt.
  5. Und, dass man das so schnell als möglich hinter sich hat und wieder heimfahren kann.

Nun, auch wenn bis zur Kasse doch alles einigermaßen glattgegangen ist, kommt da, wie überall, noch die große Süßigkeiten-Köder-Schleuse.

Nee, oder? Wie wenn ich es geahnt hätte. Das Kind windet sich und strampelt, es will raus aus dem Sitz des Einkaufswagens. Gut. Raus mit ihm. Das Kind hingestellt auf den Boden. Ermahnung: „Du bleibst da und hältst dich am Wagen fest, während ich den Wagen an der Kasse ausräume!!!!“ Und es kam, wie es kommen musste. Mein Kind warf sich filmreif auf den Boden (kann mich nicht erinnern, dass sie das schon irgendwann mal so gesehen hätte…) und strampelte bäuchlings mit Armen und Beinen am Boden, mitten vor der Kasse. Kreischend, ihrem Unmut Luft machend, weil sie nicht alle Süßigkeiten von hier mit nach Hause nehmen darf. Also genau genommen eben gar nichts davon. Das war nun wie in einem schlechten Film.

Ein Moment der Ohnmacht beschlich mich. WAS soll ich nun tun oder eben nicht tun?

  • Den kleinen Racker an den Armen packen und in den übervollen Wagen setzen? Das laute Plärren wird dadurch ja nicht weniger.
  • Ihr die gewünschten Süßigkeiten kaufen und sie damit beschwichtigen? Und das nächste Mal gleich wieder so ein Theater riskieren?
  • Sie zusammenschimpfen, was das soll und sie zur Ruhe ermahnen?

Und glauben Sie mir, auch wenn alle anderen MitbeobachterInnen so taten, als ob sie das nicht registrieren würden, sie bekamen es garantiert mit und dachten sich:

  • Die arme Frau mit so einer kleinen Plärrwalzen. Zum Glück haben wir sowas schon hinter uns!
  • Hat das Kind keine Erziehung genossen?
  • Muss das jetzt sein, dass sie ihren Balg nicht unter Kontrolle hat?
  • Oh man, das auch noch vor der Kasse, wo es mir eh so eilt?
  • Gut, dass bei mir die Erziehungszeiten rum sind. Bei mir hätte es sowas nicht gegeben.

Die Luft vibrierte. Mein Hirn ratterte. Eine kurzfristige Überforderung in dieser Situtation und plötzlich lag die Lösung vor mir. Ich traf eine Entscheidung. Für mich. Ich entschied mich, eine Rabenmutter zu sein! Ich überlasse meinem Kind das Feld und steige aus dem Drama aus. Nein, ich will nicht mehr funktionieren, sagte ich zu mir. Und die Erwartungen der Anderen werde ich hier auch nicht erfüllen, sondern ich tue, was ich selber für richtig halte. Und, das habe ich getan.

Ich habe mein tobendes, strampelndes, schreiendes Kind einfach vor der Kasse liegen lassen. Ganz alleine. Auf dem kalten Boden. Vor ihrem Publikum.

Seelenruhig und ohne die Anderen zu beachten, schob ich meinen gefüllten Einkaufswagen zum Zeitschriftenregal in der Nähe der Kasse, nahm mir eine Zeitschrift aus dem Regal und fing an zu lesen. Alle ringsum schienen für eine kurze Zeit den Atem angehalten zu haben. Die Situation war zum Zerreißen gespannt. Nur das Rattern des Kassenbandes und das Piepen des Scanners war zu vernehmen.

Und ich hörte sie schon in Gedanken sagen:

Rabenmutter, Rabenmutter, Rabenmutter!

Du kannst doch nicht einfach dein Kind plärrend auf dem eiskalten Boden mitten vor der Kasse liegen lassen. Sag mal, schämst du dich nicht?

Ich war nun selbst gespannt, wie die Situation sich nun weiter entwickeln würde. Ich wartete lesend, also nur so fast lesend, eher vorsichtig beobachtend.

Als sich schließlich mein Kind entschied, aus ihrem eigenen Drama auszusteigen, sah sie sich um und war verwundert, dass sich ihr Publikum mittlerweile aufgelöst hatte. Die Menschen fuhren mit ihren gefüllten Einkaufswägen an der Kasse um sie rum. Das geschäftige Treiben war mittlerweile wieder völlig normal im Gange. Keiner schien von ihr richtig Notiz zu nehmen. Sie stand langsam auf, sah sich suchend um. Als sie mich entdeckte, kam sie zu mir. „Mama“, sagte sie „jetzt geht’s mir wieder besser.“ Zack, und die Kinderwelt war wieder in Ordnung. Wie schön.

Und was ist weiterhin passiert? Eine fremde Mutter beglückwünscht mich und meinte, wie mutig ich gewesen sei und dass sie sich das so niemals getraut hätte. Das hätte ich jetzt nicht erwartet.

So darf ich nun alle Mütter ermutigen:

  • Geht euren eigenen Weg, nämlich denjenigen, der sich gut für euch anfühlt.
  • Glaubt nur nicht, dass irgendjemand als Profi auf die Welt gekommen ist. Jeder hat sowas mehr oder weniger durchstehen müssen.
  • Lasst euch nicht verunsichern, wenn es das erste Mal nicht klappt, denn es ist immer mit Widerständen zu rechnen, egal von wem.

Und zu guter Letzt……

Meine Kleine hat es wieder getan. Wieder in einem großen Einkaufszentrum und wieder mit sehr viel Publikum! Als sie da am Boden lag und meinte wieder toben zu müssen, da wusste ich ja schon, was zu tun ist. Langsam schob ich meinen Einkaufswagen zum Zeitschriftenregal und gab mich den Illustrierten hin.

Und täglich grüßt die RabenmutterBin ich deshalb eine Rabenmutter? Mir wurscht und auch egal. Ich lebe was mir wichtig ist und was für mich passt. Nicht immer. Aber wenn ich es will und in meiner Mitte bin, schon.

Das Kassen-Süßigkeiten-Drama war nach einer halben Minute beendet. Seitdem sind Süßigkeiten an der Kasse bei meiner Mini-Dramaqueen nie wieder ein Thema gewesen. Heute ist sie groß und kauft sich ihre Schokolade an der Kasse selber. 😉

Wenn Sie auch solche oder andere Drama-Situationen haben, diese jedoch nicht alleine meistern (möchten) können, so vereinbaren Sie doch einfach ein Strategiegespräch mit mir.

Möchtest du mehr Blogartikel zu dem Thema lesen, dann schau doch mal, was mein Vorgänger hier zum Thema Rabenmütter geschrieben hat.

Viel Vergnügen beim Lesen.

Hat Ihr Kind Probleme beim Lernen und in der Schule, dann schauen Sie gerne auch hier vorbei:

www.lernpraxis-steiner.de

„Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr?!“
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